Hochschulgespräch 2017

Die Deutsche Sängerschaft richtet in diesem Jahr das Hochschulgespräch aus. Wie bisher ist das Hochschulgespräch Teilder Greifensteintagung in Bad Blankenburg. Diesmal geht es um ein generelles Problem in allen Hochschulen, nämlich um den Mangel
an Ausbildung in Didaktik und Umgang mit Verwaltungsvorschriften. Es gilt die Länder wachzurütteln, denn beider jetzt Raum greifenden Verschulung werden didaktische Kenntnisse benötigt, um die Abbrecherquoten zu senken.

Kann man durch eine Pflichtausbildung künftiger Hochschullehrer in Hochschuldidaktik die Effektivität des Studiums entscheidend verbessern?

 

Hochschulgespräch 2017 des Coburger Convents und der Deutschen Sängerschaft in Bad Blankenburg (Thüringen)

 

An den Bachelor haben sich die meisten längst gewöhnt, akzeptiert haben ihn wohl nur die wenigstens. Den Hochschulen wirft man aber gern eine allgegenwärtige Verschulung vor. Das hat primär traditionelle Gründe, z.B. die romantische Sicht auf die akademische Freiheit während des eigenen Studiums. Die Verschulung ist sowohl der abnehmenden Vorbildung (Stichwort Abitur-Inflation) als auch dem Wunsche der meisten Hochschullehrer geschuldet, die lieber international anerkannte Forschung betreiben als ihre Kraft in die Ausbildung möglichst vieler Studierenden zu stecken.

Heute ist aus der Sicht der Politik aber offenbar eine Förderung der Hochschulforschung nicht mehr so wichtig wie ein immer höherer Anteil an Studierenden bei den Auszubildenden. Um das zu erreichen wird die Verschulung benötigt. Die wiederrum benötigt dann aber auch die Anwendung der Methoden der Schule. Das hat man bei der Gesetzgebung ganz offenbar vergessen. Hakt man nämlich hier ein, so muss das Fehlen nahezu jeglicher Ausbildung der Hochschullehrer in Didaktik ins Auge springen. Nur darüber spricht man nicht. Billiger war es, hier alles beim Alten zu belassen.

Hochschullehrer wurde und wird man niemals auf Grund besonderer Leistungen in der Lehre. Die Habilitation beinhaltet zwar einen Probevortrag, aber der darf in der Regel mittels eines selbstgewählten Themas mit mehrtägiger Vorbereitungszeit absolviert werden. Bewertet wird der Vortrag dann häufig nur danach, ob man auch ausreichend Neues vorgetragen hat. Auch die Verbesserung der Doktorandenausbildung in den inzwischen etablierten Graduiertenkollegs ist zu Gunsten der Bewertung als Forschungseinrichtung aufgeweicht worden.

Zudem werden die Unterschiede zwischen den ehemaligen Fachhochschulen (universities of applied sciences) und den Universitäten immer geringer. Die ersten Fachhochschulen erhielten bereits das Promotionsrecht.

Das alles passiert vor einer fast explosionsartig gestiegenen Anzahl der Studierenden. Die haben zwischenzeitlich längst gemerkt, dass eine klassische Universitätsausbildung viel seltener zu einer Anstellung außerhalb der Hochschule führt als das sog. Duale Studium, das Theorie und Praxis eng verzahnt. Das System ist durchgängig genug, um später einen Master oder mehr anzufügen.

Wenn die Universitäten hier nicht ins Hintertreffen geraten wollen, müssen sie sich um die Besten bemühen und die Abbrecherquote drastisch reduzieren. Dafür müssen die Hochschullehrer vorbereitet sein, indem sie die Gelegenheit zur eigenen Ausbildung in hochschuldidaktischen Fragen bekommen.

Was sollte der Inhalt einer solchen Ausbildung sein? Prinzipiell alles, was ein künftiger Hochschullehrer benötigt, um mit möglichst geringem Aufwand möglichst viele Studenten zum Examen zu führen. Dabei darf man davon ausgehen, dass die Forschung weiterhin den Schwerpunkt der Arbeit aber auch des Interesses darstellen wird. Lehre und Verwaltung werden dagegen als lästig und zu einem guten Teil sogar als überflüssig betrachtet. Die Humboltsche Einheit von Forschung und Lehre steht häufig nur auf dem Papier.

Zu den Mängeln in Lehre und Verwaltung gehört eine zumindest anfängliche Unkenntnis der Verwaltungsabläufe. 1) Rechtliche Fragen betreffend Copyright für Unterrichtsmittel, Fragen der Arbeitssicherheit, sowie Fragen zur Personalführung lähmen häufig die Neuberufenen. 2) Berufungsverhandlungen sind fast immer mit dem Bau des ersten Eigenheims zu vergleichen: Wohl jeder Hochschullehrer gibt zu, dass er beim zweiten Mal ganz anders verhandeln würde. 3) Durch die Abnahme der Prüfungen in Form von Klausuren entfällt zwar die Quelle für mancherlei Anekdoten aus dem Prüfungsschatz der Hochschullehrer, aber die Klausuren selbst sollen didaktisch sinnvoll und gleichzeitig möglichst stoffumfassend sein. Das will gelernt sein. 4) Umgekehrt hat die klassische Vorlesung an Bedeutung verloren, weil sich die Ausgabe von Powerpoint-Folien eingebürgert hat. Hier kommt es zu einem Spagat zwischen Vollständigkeit und Aktualität, wenn die Studierenden sich nur an der Foliensammlung zur Prüfungsvorbereitung orientieren. 5) Ein besonderes Problem stellt die Betreuung von Bachelor-, Master und Doktorarbeiten dar. Während der begabte Studierende sich schnell orientieren kann, fehlt einer wachsenden Mehrzahl der Studierenden hier eine qualifizierte Anleitung und eine individuelle Betreuung.

Das diesjährige Hochschulgespräch des Coburger Convents und der Deutschen Sängerschaft soll nicht nur den Ist-Zustand analysieren und kritisch beleuchten, sondern auch Beispiele vorstellen, wie man der Hochschuldidaktik breiteren Raum und Anerkennung geben kann. So sind als Referenten bewusst keine Vertreter der Hochschulen eingeladen, sondern Vertreter von Forschungseinrichtungen und nichtuniversitären Bildungseinrichtungen. Eingeladen sind:

 

1)      Prof. Dr. Reinhard Zimmermann, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg. Prof. Zimmerman ist neben seiner Tätigkeit als Max-Planck-Forscher stark in der Studienstiftung des Deutschen Volkes engagiert. Er hat zehn Jahre als Hochschullehrer in Südafrika gewirkt, bevor er an das Max-Planck-Institut nach Hamburg wechselte. An ihn geht u.a. die Frage: Warum gelingt in Deutschland keine einstufige Juristenausbildung und warum benötigt man immer noch ein Repetitorium, um das juristische Examen zu bestehen? Wie steht Deutschland hier im internationalen Vergleich da?

2)      Frau Prof. Dr. med. Katja Becker, Justus-Liebig-Universität Gießen, Lehrstuhl für Biochemie der Ernährung, und Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Prof. Becker verbindet ein hohes Interesse an Hochschuldidaktik – vor allem auch an historischen Vorbildern – mit hoher Anerkennung in Forschung und Lehre. So war sie als langjährige Vizepräsidentin der JLU Gießen auch zuständig für die studentische Ausbildung.

3)      Herr Dr. Gero Schäfer aus Heidelberg hat im Jahre 2008 eine bisher in Deutschland wohl einmalige Einrichtung, die Young Business School, gegründet. Seine Schule besuchen begabte Schüler, die parallel zum Abitur an einer staatlichen Schule ein vollständiges Bachelorstudium absolvieren. Die Inhalte der jeweiligen Studiengänge orientieren sich an den Vorgaben der Fernuniversität Hagen. Die jeweiligen Prüfungen werden als Teil des Fernstudiums absolviert. Die Fernhochschule Hagen übernimmt die Abnahme der Prüfungsleistung und stellt mit dem Bestehen des Abiturs die entsprechenden Scheine gültig und vergibt das Abschlusszeugnis. Die Heidelberger Absolventen haben in der Regel bereits mit dem Abitur einen Arbeitsvertrag mit einem führenden deutschen Unternehmen. Das Motto „Bildung: Wissen ist Zukunft, die Spaß macht“ könnte auch über unserer Podiumsdiskussion stehen.

4)      Frau Dr. Sybille Küster, Geschäftsführerin des GRADE (Goethe Research Academy for Early Career Researchers). Dr. Küster organisiert eine Nachwuchsakademie an der Goethe Universität Frankfurt für Akademiker in einer frühen Berufsphase, hier besonders während der Promotion. Sie wird am Beispiel ihrer Akademie vorstellen, wie man in Frankfurt eine wissenschaftliche Ausbildung mit besseren Berufsaussichten zu verknüpfen sucht. Die Akademie wirbt mit dem Slogan „strukturiert – karriereorientiert – individuell“. Es wird eine strukturierte Doktorandenausbildung in den unterschiedlichsten Berufsfeldern incl. Beratung und Mitgliedschaft in einem speziellen Netzwerk geboten.

 

Das Hochschulgespräch wird von Prof. i.R. Dr. Manfred Kröger (Deutsche Sängerschaft) organisiert und moderiert. Prof. Kröger hat an einem Max-Planck-Institut promoviert und anschließend an UC Berkeley als Postdoc gearbeitet. Er kann auf eine langjährige Erfahrung als Hochschullehrer in Biochemie und Molekularbiologie zurückblicken. Er war elf Jahre Sprecher eines Graduiertenkollegs an der Justus-Liebig-Universität Gießen und vielfach Mitglied akademischer Selbstverwaltungsgremien.

 

Termin:                Samstag, der 11. November 2017, 14.00 bis 16.30 Uhr

                               Aula der Landessportschule Thüringen, Bad Blankenburg,